Ein neues Märchen (Quiz: Welche Märchen sind
enthalten?)
In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte eine Familie in einem alten kleinen Häuschen im Wald. Der Vater war Holzhacker und konnte seine Familie damit nicht mehr ernähren. Sie waren sehr arm und hatten nur noch das Nötigste und das war auch noch zu wenig. Da beschlossen die Eltern die Kinder fortzuschicken. Ein paar Jahre später kam die Tochter auf einem ihrer Wege zu einer schönen Wiese mit Blumen und Bäumen. Die Äpfel waren reif, und als sie an einem Apfelbaum vorbei ging, rief dieser „Ach, schüttele mich, schüttele mich, wir Äpfel sind alle reif!“ Da schüttelte sie den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte bis keiner mehr oben war, dann ging sie weiter. Sie wunderte sich schon, dass es möglich war, das ein Baum zu ihr sprach und fragte sich, ob es nicht auch anders herum ging und machte gleich die Probe aufs Exempel. Sie sprach zu einem kleinen Haselnussbäumchen, der bei einem sehr gepflegten Grab stand: „Bäumchen, rüttele dich und schüttele dich, wirf Gold und Silber über mich“. Da warf ein Vogel, der im Baum gesessen hatte, ein wunderschönes Ballkleid herunter. Sie zog es an und sah wie eine Königstochter aus. Sie wollte nun zu einem Schloss gehen, von dem sie gehört hatte, dass ein junger Prinz sein Verlobungsfest gab. Sie musste auf dem Weg dorthin, durch einen dunklen Wald. Da plötzlich versperrte ihr ein großer Wolf den Weg, sie erschrak und doch war der Wolf eigentlich ganz nett. Er fragte nur nach dem Weg zu einer alten Großmutter, die bei den drei Eichen tief im Wald wohnte. Das Mädchen sagte ihm den Weg und der Wolf ging weiter. Sie kam immer wieder auf ihrem Weg an einem Bach vorbei, und da es im Wald ganz still war, hörte sie den Bach flüstern: „Wer aus mir trinkt, der wird ein wildes Tier, wer aus mir trinkt, der wird ein wildes Tier“. Und ein anderes Mal flüsterte der Bach: „Wer aus mir trinkt, wird ein Reh, wer aus mir trinkt, wird ein Reh“. Es war ihr unheimlich und sie war froh, dass sie gerade nicht durstig war. Sie beeilte sich, dass sie schnell aus dem Wald kam. Dann sah sie die Stadt vor sich, wo das Schloss sein sollte. In der Stadt erlebte sie etwas komisches, die Leute starrten sie erst an, weil sie ja ein Ballkleid anhatte, aber dann stahl etwas anderes ihr die Schau. Ein Mann kam in die Stadt, er hatte eine Gans unter dem Arm geklemmt. An dieser Gans klebten 3 junge Mädchen, ein Pfarrer, ein Küster und 2 Bauern. Das sah wirklich witzig aus, wie diese 8 Leute durch die Stadt zogen. Endlich war es Zeit zum Schloss zu gehen, die Kutschen der anderen Gäste fuhren auch vor, die Musik hallte nach draußen und sie ging in den hellerleuchteten Ballsaal. Leider kannte sie niemand, aber die Leute sahen sie alle an, weil sie so hübsch war. Da kam endlich der junge Prinz, aber sie schaute in das Gesicht, stieß einen Jubelschrei aus und lief auf den jungen Mann zu, umarmte und küsste ihn. Es war ihr Bruder. Die Freude war riesengroß und er erzählte ihr gleich, wie es ihm ergangen war.
Damals als die Eltern ihn fortschickten, machte er sich auf, sein Glück zu suchen. Er kam auf seinem Weg an einem alten Turm vorbei und dort beobachtete er eine alte Frau, die zum Turm hinauf den Namen eines Gemüses rief und das Haar heruntergeworfen werden sollte, gleich darauf fiel ein schöner blonder Zopf von einem jungen Mädchen herunter. Daran kletterte die Alte zum Turm herauf. Er wartete bis die Alte fort war und rief dasselbe zum Turm rauf. So begann eine kurze Liebschaft mit dem Mädchen im Turm, doch die Alte machte ihm leider einen Strich durch die Rechnung und er zog weiter. Er kam in eine alte norddeutsche Hansestadt und lernte eine Tiergruppe kennen, die er als die „Musikanten der Stadt“ einige Zeit managte. Eines Tages wollte er wieder weiterziehen und kauft sich vom Ersparten ein Pferd und ritt davon. Irgendwann sprach ihn ein junger Bursche an: „Ach“, stöhnte dieser „was ist Reiten ein schönes Ding! Da sitzt einer wie auf einem Stuhl, stößt sich an keinem Stein, spart die Schuhe und kommt fort, er weiß nicht wie. Ich muss zufuß gehen, habe einen Goldklumpen heim zu tragen, er drückt und plagt mich.“ Da schlug der Bursche einen Tausch vor, Pferd gegen Goldklumpen. Dank dieses Tausches wurde er von einem Tag zum anderen reich. Er kleidete sich jetzt vornehm, so das man meinte, er wäre ein Edelmann. So kam es, dass er von einem verwunschenen Schloss und einer Prinzessin hörte, die 100 Jahre schlief. Er ging zu diesem Schloss, kämpfte sich durch die Dornenhecke und gelangte so zu dem Turm, wo er die Prinzessin wach küsste. Er verliebte sich sofort in sie und bat sie seine Frau zu werden. Ihr Vater willigte ein und machte ihn zu einem Prinzen. Es sollte vor der Hochzeit ein riesiges Verlobungsfest gefeiert werden. Die Einladung dafür wurde seinen Eltern durch einen sprechenden Kater übermittelt, der für diese Mission wieder einmal seine schönen, roten, ledernen Stiefel angezogen hatte. Nur seine Schwester fand man nicht. Also wurde eine großes schönes Fest gefeiert und wie durch ein Wunder war auch seine Schwester gekommen. Die Ehe wurde glücklich, die Eltern erhielten fortan eine monatliche Rente und die Schwester verliebte sich in den jüngeren Bruder der Prinzessin. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie glücklich und zufrieden auch noch heute.
Lösung (enthaltene Märchen): 1. Hänsel
und Gretel, 2. Frau Holle, 3. Aschenputtel, 4. Rotkäppchen,
5. Brüderchen und Schwesterchen, 6. Die goldene Gans, 7. Rapunzel, 8. Die
Bremer Stadtmusikanten,
9. Hans im Glück, 10. Dornröschen, 11. Der gestiefelte Kater Verfasserin:
Ilka Jespersen